Ein klares Ziel vor Augen

„Ich hätte nie gedacht, dass ich in Deutschland solch überwältigende Unterstützung von so vielen Menschen erleben würde“, berichtet der 30-jährige Hassan Haj Abdullahothman. Eine Erfahrung, die auch der 22-jährige Yazan Sallam gemacht hat: „Ich wurde wie ein Familienmitglied aufgenommen.“ Die beiden jungen syrischen Männer – der jüngere aus as-Suwaida im Süden, der ältere aus Aleppo im Norden – mussten beide kriegsbedingt ihr Heimatland verlassen. Gemeinsam haben sie zudem, dass sie dank der immensen Unterstützung ehrenamtlich engagierter Menschen aber auch dank ihres eigenen unermüdlichen Einsatzes heute ein duales Studium an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) bei Wetzlarer Traditionsunternehmen absolvieren können – und zwar bei der Hexagon Metrology GmbH und der Friedrich Kurz GmbH. Ein klares Ziel vor Augen

Sallam, der in Syrien nach dem Abitur zwei Semester Maschinenbau studierte, und Haj Abdullahothman, der in Aleppo nach seinem erfolgreich absolvierten Wirtschaftsstudium zwei Jahre bei einem Mobilfunkanbieter tätig war, erlebten beide eine strapaziöse und gefährliche Flucht – teilweise zu Fuß, in überfüllten Transportern und Booten – über die Türkei und Griechenland. Bis sie nach mehreren Monaten in Deutschland ankamen. Bei dem 22-jährigen Yazan Sallam war dies Ende 2015, bei seinem 30-jährigen StudiumPlus-Kommilitonen bereits Ende 2014. Beide führte ihr Weg schließlich in mittelhessische Erstaufnahmeeinrichtungen.

Mit Bettina Twrsnick, Sprecherin der Flüchtlingshilfe Mittelhessen, kam Yazan Sallam schon während seines Aufenthaltes in der Erstaufnahmeeinrichtung auf der Wetzlarer Spilburg in Kontakt. „Frau Twrsnick hat mich von Anfang an stark unterstützt. Sie half mir dabei, mir in den Räumen der Phantastischen Bibliothek selbst die ersten Grundlagen der deutschen Sprache anzueignen. Dort durfte ich auch ehrenamtlich mithelfen.“ Die Flüchtlingshilfe ermöglichte Sallam im Jahr 2016, einen Deutschkurs in Marburg zu besuchen, in dem er die Sprache auf Universitätsniveau lernen konnte. „Dort lebte ich über ein Jahr bei der Marburger Familie Achenbach, die mich wie einen eigenen Sohn aufnahm“, schwärmt der 22-jährige. 

Auch die Geschichte von Hassan Haj Abdullahothman wäre nicht komplett, ohne die Menschen, die in bei seinem Weg unterstützt haben. „Patricia Pollei-Bardelle vom Netzwerk Hohenahr, begegnete mir während meines Aufenthalts in der dortigen Wohneinrichtung. Sie machte mich z.B. auf das Stipendium der Otto-Benecke-Stiftung aufmerksam, um das ich mich erfolgreich bewarb. Sechs Monate lang durfte ich einen Deutschkurs auf akademischem Niveau an der Universität Marburg besuchen und die Stiftung kam für meinen Lebensunterhalt auf. Ellen Krämer von der JLU Gießen hat mich später bei den vielen Formalitäten unterstützt, die ich bewältigen musste, um in Deutschland ein Studium beginnen zu können“, so der 30-jährige. Bild 1 web

„Als ich gerade mal 18 Monate nach meiner Flucht aus Syrien gemeinsam mit elf anderen Bewerbern um insgesamt drei StudiumPlus-Plätze am Assessment Center bei der Hexagon Metrology GmbH teilnahm, hätte ich nie gedacht, dass ich einen der Plätze bekomme“, berichtet Sallam. Offensichtlich gelang es ihm aber, Personalreferentin Iris Trost und Konstruktionsleiter David Sasse zu beeindrucken: „Uns hat begeistert, wie gut Herr Sallam nach der kurzen Zeit bereits Deutsch sprach. Seine Zielstrebigkeit hat uns voll und ganz überzeugt“, sind sich die beiden einig. Seit Oktober 2017 absolviert er den dualen Bachelor-Studiengang Ingenieurwesen Maschinenbau bei StudiumPlus in Wetzlar. „Herr Sallam arbeitet sehr selbständig und bringt seine Projekte aktiv voran“, lobt Unternehmensbetreuer Sasse. Aktuell erarbeitet er für den Messtechnikhersteller Vorschläge zur Vereinfachung von Produktionsprozessen. 

Ähnlich überraschend lief das Vorstellungsgespräch bei dem acht Jahre älteren Haj Abdullahothman: „Bei der Friedrich Kurz GmbH wollte ich mich eigentlich nur um einen Praktikumsplatz bewerben, am Ende des Gesprächs bot mir Geschäftsführerin Barbara Galir eine Stelle als Kaufmann an, aus der ein Jahr später 2017 ein dualer Master-Studienplatz im Studiengang Prozessmanagement – Steuerung von Geschäftsprozessen wurde!“ Galir, die den jungen Mann auch in seinen Praxisphasen bei dem internationalen Logistikunternehmen betreut, ist froh über diese Personalentscheidung: „Herr Haj Abdullahothman passt mit seiner großen Einsatzfreude und seiner Freundlichkeit hundertprozentig ins Team. Als Familienunternehmen legen wir darauf großen Wert. Aktuell arbeitet er mit vollem Elan an der Gestaltung eines Online-Portals, durch das unsere Partner Angebote zu jeder Tages und Nachtzeit per Internet einholen können.“ Bild 2

Der Vorstandsvorsitzende des CompetenceCenter Duale Hochschulstudien – StudiumPlus e.V., Norbert Müller freut sich ebenfalls über die Erfolgsgeschichten der beiden jungen Männer: „Wenn sich junge Menschen aus Syrien für den nicht leichten Weg eines dualen Studiums hier bei StudiumPlus entscheiden und dafür auch ein geeignetes Partnerunternehmen finden, dann können wir das nur begrüßen. Dies sind zum einen die richtigen Schritte eines gelingenden Migrationsprozesses und zum anderen ein hilfreicher Weg zur Minderung unseres Fachkräftemangels.“ Prof. Dr. Harald Danne, Leitender Direktor des Wissenschaftlichen Zentrums Duales Hochschulstudium, pflichtet bei: „Am Beispiel von Herrn Haj Abdullahothman und von Herrn Sallam sieht man, wie StudiumPlus das Beste aus zwei Welten vereint – nämlich ein vollwertiges Hochschulstudium mit intensiver Praxiserfahrung – dies macht es zum idealen Start in das deutsche Bildungs- und Arbeitswesen.“

Mittelhessen ist für beide jungen Männer inzwischen zu einem Zuhause geworden. Bachelor-Student Sallam lebt in einer WG in Gießen, in seiner Freizeit spielt er Theater und experimentiert beim Kochen, indem er deutsche und orientalische Einflüsse miteinander kombiniert. Auch am StudiumPlus Campus fühlt er sich wohl: „Meine Wetzlarer Kommilitonen sind extrem freundlich und hilfsbereit“, berichtet der 22-jährige. Haj Abdullahothman, der sich bereits in Aleppo für Flüchtlinge aus anderen Teilen Syriens engagierte und schon für die Wetzlarer Tafel aktiv war, ist den ehrenamtlichen Tätigkeiten treu geblieben. In seinem Wohnort Erda ist er für die dortige Flüchtlingshilfe tätig. Dort lebt er gemeinsam mit seiner Ehefrau, die bald einen Master-Studiengang an der JLU absolvieren wird. Die beiden StudiumPlus-Studenten aus Syrien sind sich einig: „Wir danken unseren Partnerunternehmen sowie allen Menschen, die uns auf dem Weg geholfen haben, für diese großartige Zukunftschance!“