Digitalisierung als Herausforderung und Chance

Seit vielen Jahren befasst sich Norbert Müller mit dem Thema Digitalisierung, mit der technischen Entwicklung, der Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft, den Chancen und Risiken. Bei einem Runden Tisch für Vertreter der Kooperationsschulen von StudiumPlus stieß der Vorstandsvorsitzende des CompetenceCenters Duale Hochschulstudien – StudiumPlus e.V. (CCD) mit einem hochspannenden Impulsvortrag eine Diskussion über die Vermittlung dieser Themen an den Schulen an. 

Müller war Vorsitzender der Geschäftsführung des Unternehmens Rittal, ist heute Geschäftsführer des Consulting Unternehmens Advacon und Mitglied verschiedener Beiräte und Aufsichtsräte. Im CCD sind die über 900 Partnerunternehmen von StudiumPlus, dem dualen Studienprogramm der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und dem CCD, organisiert. Info Limburg 1 web

Die Zukunft bedeute digitales Dauerfeuer, erläuterte Müller. Das Tempo der Veränderungen sei rasant, die Welt unserer Geschäfte werde zunehmend agiler, mobiler, flexibler, digitaler, vernetzter, individueller und deutlich transparenter. Das sorge bei vielen für Verunsicherung, denn es verlange große Umstellungsprozesse, um die globale Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu sichern. Auf die sehr schnellen Veränderungen und die steigenden Kundenerwartungen müsse reagiert werden. Auf der anderen Seite stünden auch Vorteile durch die Digitalisierung der Prozesse im Betrieb: die Reduktion von Kosten, geringere Fehlerquote bei höherer Flexibilität beispielsweise. Die Wirtschaft müsse sich den Anforderungen stellen, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, und auch der einzelne Mensch sei gefordert, um sich den Herausforderungen des ständigen und enorm schnellen Wandels stellen zu können. Ob Internet of Things oder Künstliche Intelligenz (KI) – immer neue Entwicklungen gelte es zu bewältigen. Die Menge der Daten, die durch das Internet of Things erzeugt werden, werde 2019 um das 269-fache größer sein als in 2012, nannte Müller ein Beispiel.

Und KI könne vieles besser als der Mensch. Sie „lerne“ auf Basis von Daten, könne deren Bedeutung und Gesetzmäßigkeiten verstehen, sich selbst weiterentwickeln und sich mit anderen KI-Systemen vernetzen. Als Assistenz des Menschen sei sie sinnvoll und nützlich, doch müssten sich die Menschen auch darüber klarwerden, was Menschsein heiße und in welchen Punkten der Mensch sich von der Maschine unterscheide. Alleinstellungsmerkmale des Menschen seien nach wie vor Eigenschaften wie Kreativität, Emotionalität, kritisches Denken oder Empathie. Es müsse eine Art TÜV für KI geben, forderte Müller, der einen ethischen Rahmen abstecke.

Die Rolle des Menschen in der Arbeitswelt werde sich durch die Digitalisierung stark  verändern, führte der Referent aus. Die komplexen Aufgaben in den Unternehmen könnten nicht von Einzelnen gelöst werden, die Arbeit im Team sei vonnöten – interdisziplinär und agil. Es werde neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschinen geben. Auch Führung ändere sich im Zeitalter der Digitalisierung – Hierarchien verlören an Bedeutung, der Chef sei allerdings nach wie vor derjenige, der die Richtung vorgebe. „Er muss Coach, Moderator und Motivator sein“, betonte Müller, „und seine Mitarbeiter müssen ihm voll vertrauen können!“

Durch die Digitalisierung fielen zwar Arbeitsplätze weg, aber: „Die digitale Transformation schafft weltweit Millionen neue Jobs.“ Das bedeute Chancen für viele. Um diese Chancen zu nutzen, müsse man allerdings auf der Höhe der Entwicklung bleiben; Weiterbildung spiele eine unverzichtbare Rolle. Die Arbeitswelt werde sich immer weiter wandeln, die Bereitschaft, sich als Unternehmen und auch als Mensch zu wandeln, müsse vorhanden sein, um erfolgreich zu bleiben. „Bildung ist der Schlüssel“, so Müller. In der Arbeitswelt von morgen seien Neugierde und Erfindergeist gefragt, es müssten Freiräume für neues Denken geschaffen werden. Sinnvoll seien Synergien zwischen der Neugierde der Jugend und dem Drang nach Mitgestaltung und Eigenverantwortung sowie dem Erfahrungsschatz Älterer.

Dass die Arbeitswelt von heute und morgen vor diesem Hintergrund auch Thema an den Schulen sein müsse, um die Schüler auf diese veränderte Arbeitswelt vorzubereiten, darüber waren sich die Zuhörer am Ende einig – aber auch darüber, dass die Lehrpläne derzeit der Entwicklung hinterherhinken.